Portal der Freunde und Förderer des Theater Magdeburg

Lieblinge des Publikums - Förderverein zeichnet junge Künstler aus

 

Fotos der Preisverleihung gibt es hier

(23.2.2014) Foto: Andreas Lander Die jungen Darsteller am Theater Magdeburg stehen noch am Anfang ihrer Karriere, doch unbemerkt bleibt ihr Talent deshalb nicht.

 

Schließlich haben die Zuschauer nicht nur bei den angestammten Künstlern, sondern auch beim Nachwuchs ihre Lieblinge, die sie gern auf der Bühne erleben und deren Entwicklung sie verfolgen.

 

 Alljährlich macht der Förderverein Theater Magdeburg e.V. diese Vorlieben sichtbar, indem er je ein Talent aus den Sparten Schauspiel, Musiktheater und Ballett mit dem Förderpreis für junge Künstler auszeichnet. Die nunmehr 19. Verleihung fand im Opernhaus statt.

 

Vorab sprach der General-Anzeiger mit den drei Preisträgern – Schauspieler Raimund Widra (28, Deutschland), Sopranistin Julie Martin du Theil (29, Schweiz) und Balletttänzerin Lou Beyne (22, Frankreich).

Julie Martin du Theil, Raimund Widra, Irene Schneider, Lou Beyne

Warum habt ihr euch für einen künstlerischen Beruf entschieden?

   Raimund Widra: Ich habe früher Kinderfernsehen gemacht und damit fing es an. Dann habe ich in der Schule Theater gespielt und die Lust am Theater wurde geweckt. Im Laufe dieser Zeit hat sich der Wunsch, das vielleicht auch beruflich machen zu können, immer mehr verfestigt.

 

   Julie Martin du Theil: Ich wollte als Kind immer schon Musik machen und dann habe ich mit Klavier angefangen. Da war ich fünf Jahre alt. Aber mit zehn oder zwölf Jahren wollte ich nur noch singen. Am Anfang habe ich natürlich Pop gesungen, Songs von Mariah Carey und Celine Dion. Dann habe ich Unterricht genommen, weil ich mich verbessern wollte. Ich bin dann zur Hochschule gegangen und es hat immer weiter geklappt. Meine Lehrerinnen haben immer gesagt, ich solle die nächste Stufe probieren und dass ich begabt wäre.

 

   Lou Beyne: Als Kind war ich künstlerisch sehr interessiert und habe das Ballett ausprobiert. Ich habe es gemocht und ich glaube, das Ballett mochte mich auch. Es hat einfach funktioniert.Wie seid ihr an das Theater Magdeburg gekommen?

   Raimund Widra: Ich hatte hier, wie das üblich ist, ein Vorsprechen und war dann zunächst als Gast in der „Dreigroschenoper“ dabei. Das war beim Schauspieldirektor Jan Jochymski, vermutlich um sich ein bisschen kennenzulernen und sich gegenseitig die Möglichkeit zu geben, zu überlegen, ob das was für längere Zeit sein könnte. Dann hat er mir das Angebot gemacht, ich habe darüber nachgedacht und dann gesagt, dass ich gern fest kommen würde.

 

   Julie Martin du Theil: Ich habe hier ein Vorsingen gemacht. Davor habe ich in der Schweiz und in München studiert. Meine Agentur hat mir hier ein Vorsingen angeboten und dann bin ich hergekommen und habe eine Stelle bekommen.

 

   Lou Beyne: Ich war ein Jahr zuvor in Zürich und da ist es nicht so gut gelaufen. Ich hatte dort einen Freund, der Núria kannte, ein Mädchen aus der Magdeburger Kompanie. Sie hatte ihm erzählt, dass sie es hier toll finde, das Repertoire sehr klassisch sei, sie viel arbeiten und es nur zirka 20 Tänzer seien. So würde man immer eine Chance bekommen, etwas Interessantes zu machen. Das klang sehr schön und so kam ich zum Vortan zen. In diesem Jahr habe ich viele Vortanzen gehabt, aber ich habe den Vertrag in Magdeburg bekommen und entschieden, ihn anzunehmen, weil ich die Atmosphäre hier sehr mochte, die Energie im Studio und Gonzalo (Ballettdirektor Gonzalo Galguera, Anm. d. Red.), der mich das ganze Vortanzen über angetrieben und gefordert hat.

 

   Wie gefällt euch die Arbeit am Magdeburger Theater?

   Raimund Widra: Für mich war das hier ein super Start. Ich kam frisch von der Schauspielschule und habe hier tolle Sachen spielen können und mich gleich sehr wohl gefühlt. Es ist ein sympathisches Ensemble und es sind schöne Arbeiten, die wir hier machen können.

 

   Julie Martin du Theil: Die Arbeit hier ist super. Ich bin sehr zufrieden, weil ich sehr schöne Partien habe. Ich darf singen und das ist wirklich eine Chance. Ich bin als Anfängerin hier angekommen und war noch sehr jung mit 25 Jahren. Natürlich ist es eine Chance, gleich nach dem Studium eine Stelle zu finden, damit man ein Repertoire aufbauen und Partien lernen kann. Das ist wirklich super, das gefällt mir sehr und deshalb bin ich immer noch da.

 

   Lou Beyne: Ich bin sehr glücklich hier. Ich habe schon viele interessante Charaktere und Partien getanzt. Außerdem kann Gonzalo selbst choreografieren, nur für uns, und das ist sehr besonders. Manchmal lernt man nur eine Choreografie und jemand kommt und bringt sie dir bei. Das ist auch schön. Aber beispielsweise bei „Sylphide“ hat Gonzalo die Rolle für mich gemacht. Das ist wirklich etwas ganz Besonderes.

 

   Was fasziniert euch an euren Sparten?

   Raimund Widra: Ich mache das schon ziemlich lange und es füllt mich nach wie vor sehr aus. Ich finde die Arbeit als Schauspieler sehr befriedigend und kann mich da ausleben. Das kommt meinem Naturell auch sehr nah. Ich bin ein ziemlich offener Typ und habe immer große Freude daran gehabt, etwas vorzumachen und Leute zu unterhalten. Außerdem habe ich ein großes Interesse an Sprache und Bewegung und das kommt natürlich im Schauspiel schön zusammen. Ich würde sagen – und hoffe, dass das noch eine Weile so bleibt – dass ich das gefunden habe, was mir Spaß macht und bin froh, das machen zu können.

 

   Julie Martin du Theil: Am Musiktheater finde ich natürlich vor allem die Musik faszinierend. Sonst hätte ich vielleicht auch Schauspiel gemacht, aber ich finde, Musiktheater hat eine andere Dimension. Mein Freund ist Schauspieler, deswegen kann ich das sagen. Ich gehe auch oft ins Schauspielhaus und bin am Schauspiel sehr interessiert, aber ich finde, dass die Oper zusätzlich noch eine andere Dimension hat – und das ist die Musik. Sie ist für mich natürlich sehr wichtig. Ich finde außerdem sehr besonders, dass man singt und gleichzeitig spielt. Die Schauspieler haben immer so viel Zeit, um einen Text zu sagen, aber wir sind von der Musik sehr geregelt. Das ist eine technische Herausforderung, für die man eine Lösung finden muss. Die Intention und Emotion herauszufinden, aber in dieser bestimmten Zeit, die die Musik uns gibt – das finde ich sehr spannend.

 

   Lou Beyne: Beim Ballett lerne ich stets etwas dazu. Man hat die Möglichkeit, sich ständig zu verbessern und sein Bestes zu geben. Das fordert mich immer wieder heraus. Außerdem liebe ich es, auf der Bühne zu stehen und einen Charakter darzustellen.

 

   Gibt es Charaktere, die ihr besonders gern verkörpert?

   Raimund Widra: Von den düsteren Persönlichkeiten habe ich noch nicht ganz so viele gespielt, aber ich kann mich für die abgründigen Figuren oder die Bösewichte sehr begeistern. In der Masse habe ich allerdings eher den lustigen Typen verkörpert, jedoch nicht ausschließlich. Ich habe auch „Kabale und Liebe“ gespielt und Ferdinand ist nicht unbedingt eine Witzfigur.

 

   Julie Martin du Theil: Wir sind im Musiktheater immer auch vom Fach abhängig, das vorgibt, welche Partien man singen wird. Bei mir ist das immer die Braut. In dieser Spielzeit habe ich Susanna, die Braut in „Die Hochzeit des Figaro“ gesungen, Zerlina bei „Don Giovanni“, das ist auch die Braut und jetzt beim „Rosenkavalier“ bin ich nochmal die Braut. Mein Fach ist ein leichter Koloratursopran und das ist immer das junge Mädchen auf der Bühne, die Geliebte oder die Prinzessin.

 

   Lou Beyne: Es gibt viele Charaktere, die ich gern habe. Es gibt nicht nur einen, den ich bevorzuge. Ich tanze gern die Julia (aus „Romeo und Julia“, Anm. d. Red.) und auch Sylphide. Geschichten über Frauen passen gut zu mir. Und Liebesgeschichten mag ich besonders gern.

 

   Was bedeutet es euch, den Förderpreis zu bekommen?

   Raimund Widra: Ich habe mich riesig gefreut. Das ist toll, gerade wenn man frisch irgendwo hinkommt und es selber so gern macht. Und wenn dann noch dazukommt, dass es gewürdigt wird, es den Leuten gefällt und man diese Anerkennung dafür bekommt – das ist sehr schön.

 

   Julie Martin du Theil: Es ist eine große Ehre. Ich bin sehr froh, dass ich den Preis bekomme. Es war natürlich eine Überraschung. Die Leute haben anscheinend meine Entwicklung gesehen und es ist sehr schön für mich als Künstlerin zu sehen, dass die Leute Vertrauen haben und mir diesen Preis geben.

 

   Lou Beyne: Den Preis zu gewinnen hat mich sehr glücklich gemacht, weil es mir zeigt, dass das Publikum schätzt, was ich tue. In der Kompanie sind so viele gute Tänzer und ich dachte, das Publikum würde nur sie so sehr mögen. Dass sie aber auch mich gern tanzen sehen, hat mich wirklich erstaunt und glücklich gemacht.

 

   Was macht ihr mit dem Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro?

   Raimund Widra: Ich fahre in den Urlaub und da wird der ein oder andere Euro auf der Strecke bleiben.

 

   Julie Martin du Theil: Natürlich werde ich das Geld investieren, um mich immer weiter zu entwickeln. Das bedeutet, Unterricht zu nehmen und ich möchte auch noch Wettbewerbe machen und Vorsingen. Das Geld hilft dabei sehr. Es kostet sehr viel Geld, wenn man Unterricht nimmt oder für ein Vorsingen reisen muss, zwei Tage plus Hotel. Es ist wichtig, sich weiterzuentwicklen. Man sollte nicht denken, man wäre fertig. Nein, es geht immer weiter.

 

   Lou Beyne: Ich denke, ich werde Urlaub machen, vielleicht diesen Sommer, aber das weiß ich noch nicht genau. Ich weiß auch noch nicht, wo es hingehen soll, aber ich würde gern dort Urlaub machen, wo ich auch etwas entdecken kann. Ich habe dabei an Tansania gedacht, bin mir aber noch nicht sicher.

 

   Zur 19. Verleihung des Förderpreises für junge Künstler waren alle interessierten Magdeburger und Theaterfreunde eingeladen. Bei der Veranstaltung am Sonntag, den 23. Februar 2014 im Opernhaus wurden die Preisträger natürlich nicht nur öffentlich geehrt, sondern haben auch  Kostproben ihres Könnens gegeben.

 

Wir werden unterstützt durch sie...

Unsere Projekte

Kontakt

Förderverein Theater Magdeburg e. V. ©2017 All Rights Reserved.